
Nora Gomringer
Am Meerschwein lernt das Kind den Tod
Sie hinterlässt drei Kinder und einen Bindestrich. Sie hinterlässt mir ihre Freundinnen, ihre Bibliothek, ihr Unbehagen. Ich schreibe ihr hinterher als vermissende Tochter, als wütende Frau, als verstummte Dichterin und wundere mich, wie wenig sie sich beschwören lässt, wenn ich es will. Sie hat sich — nun himmlisch — endlich emanzipiert. Ich schreibe über meine mannigfaltige Mutter, ihre Weisheit und Komik, ihren Mann, die Sache mit den Meerschweinchen und mich.
Nora Gomringer erzählt auf umwerfend komische Weise von Trauer und Tod, Leid und dem allmählichen Begreifen des Unbewältigbaren. Die F.A.Z. schrieb: Es ist ein intimes Buch, ein sehr mutiges Buch. Sprachlich getragen von der Souveränität einer staunenden, suchenden, bittenden Kinderstimme. […] Nora Gomringer gelingt es, mit Wucht und Willen zum Witz gegen das Dramatische, das Tragische anzuschreiben.
Nora Gomringer, 1980 geboren, ist Schweizerin und Deutsche. Sie ist Lyrikerin, Filmemacherin und schreibt und spricht für Radio, Fernsehen und Feuilleton. Opernlibretti und Theaterarbeiten sowie zahlreiche Zusammenarbeiten mit Bildenden Künstler*innen machen sie zu einer der bekanntesten Dichterinnen ihrer Generation. 2015 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis, 2022 den Else Lasker-Schüler-Preis und zuletzt wurde sie 2025 mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor ausgezeichnet. Nora Gomringer lebt in Bamberg, wo sie das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia als Direktorin leitet.
Bildnachweis: © Judith Kinitz
Das Buch ist im Verlag Voland & Quist erschienen.
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